Mit Zukunft rechnen - Worauf müssen sich Kommunen in Zukunft einstellen?

Für fast alle Kommunen - egal ob wachsend oder schrumpfend - gilt, dass der Siedlungsflächenverbrauch und damit der Ausbau der technischen Infrastrukturen stetig zunehmen. Die räumliche Planung unterliegt schnell der Gefahr, dass einer unterausgelasteten Infrastruktur auf der einen Seite ein Erweiterungsbedarf aufgrund von neuen Flächenausweisungen auf der anderen Seite gegenüber steht.

Das Themenfeld „Kosten und Nutzen der Siedlungsentwicklung“ hat in jüngster Zeit aufgrund der anhaltenden Finanznot der öffentlichen Hand und der Diskussion um die Folgen des demografischen Wandels an Bedeutung gewonnen. Wissenschaft und Planungspraxis schärfen den Blick für die Folgekosten der Siedlungsentwicklung. Viele Untersuchungen zeigen: die Betriebs- und Unterhaltungskosten neuer Baugebiete sowie deren Folgen für die sozialen Infrastrukturen können die Herstellungskosten deutlich übersteigen. In der langfristigen Betrachtung hat die öffentliche Hand einen Großteil dieser Folgekosten zu tragen.


Zur Stärkung der Nachfrage nach sozialen Infrastruktureinrichtungen werden häufig neue Baugebiete als probates Mittel zur Nachfragestärkung an einem Standort gesehen. Dies kann sich – abhängig von der Bestandsstruktur – jedoch als eine zu voreilig gefällte Entscheidung herausstellen, da die Nachfrageffekte eines Neubaugebiets aufgrund der homogenen Bewohnerstruktur zeitlich sehr begrenzt sind. Eine langfristige Sicherung sozialer Infrastrukturstandorte erfordert eine möglichst heterogene Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur. Deren Entwicklung verlangt ein gutes Standortmanagement und eine Siedlungsentwicklungsstrategie, die die Folgen für soziale Infrastruktureinrichtungen berücksichtigt.

Ein wichtiges Argument für neue Baugebietsentwicklungen sind die erwarteten Mehreinnahmen durch Steuern und Gebühren. Aktuelle Forschungsergebnisse sind auch hier eindeutig: Neue Baugebiete sind nicht grundsätzlich ein Garant für steigende kommunale Einnahmen.

Die Folgen der Siedlungsentwicklung sind in der Praxis kritisch und differenziert zu betrachten. Die Stadtentwicklungsplanung steht damit vor vielschichtigen Herausforderungen:

  • Wie wird sich die Struktur der Bevölkerung in Zukunft verändern?
  • Welche Nachfrageentwicklungen sind zu erwarten?
  • Wie ist die Siedlungsentwicklung strategisch und kostenbewusst auszurichten?
  • Welche Folgekosten ergeben sich mittel- und langfristig bei einem Baugebiet?
  • Wie lassen sich die Herstellungskosten eines Projektes optimieren?
  • Welche Steuereinnahmen kann ein Baugebiet generieren?
  • Trifft ein Siedlungsvorhaben die aktuelle Nachfrage oder werden teure Baulücken produziert?